Amiaz Habtu: „Kein nachhaltiger Plan für die Kultur“

Amiaz Habtu ist nicht nur „Die Höhle der Löwen“-Moderator, sondern hat auch einen Podcast. Das stört ihn an der Politik in der Corona-Krise.

Amiaz Habtu (42) ist ein wahrer Tausendsassa. Er ist nicht nur Moderator für bekannte Shows wie „Die Höhle der Löwen“ und als Rapper („Von A bis Z“) unterwegs, er hat nun auch einen eigenen Podcast namens „Schnick Schnack SchNEU“ gestartet. Das zweiwöchentlich erscheinende Format beschäftigt sich mit Musik-Themen und stellt Künstler vor, die in der Branche Fuß fassen wollen oder schon länger im Business sind. Wie es der Musikbranche momentan in der Corona-Krise geht und für was er sich während des Lockdowns Zeit genommen hat, verrät Amiaz Habtu im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Wie kamen Sie auf den Titel „Schnick Schnack SchNEU“?

Amiaz Habtu: Es standen eigentlich zwei andere Podcast-Titel zur Auswahl und bei einem der Projektmeetings wollten wir die Entscheidung treffen, welcher Name es final werden sollte. Dabei hatte jemand aus dem Team die Idee, per Schere, Stein, Papier zu entscheiden und ich meinte „Ja klar – Let’s do it: Schnick Schnack SchNEU!“ Alle waren direkt so angetan von der spontanen Eingebung, dass wir kurzfristig darauf gewechselt sind.

Warum, glauben Sie, werden Podcasts immer erfolgreicher?

Habtu: Bei einem Podcast nehmen die Hörer sich ausreichend Zeit, das Medium mit der richtigen Portion Aufmerksamkeit zu konsumieren – und zwar dann, wenn es für sie am besten passt. Und was die redaktionelle Formatgestaltung betrifft, so kann man als Podcast-Host mit den Gästen gute und deepe Gespräche führen, wie es sie im TV oder Radio sonst nur selten gibt.

Warum ist es Ihnen so wichtig, Newcomer ins Rampenlicht zu rücken?

Habtu: Weil Newcomer mit ihren eigenen Entwicklungswegen und Ideen meiner Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, gerade wenn sie nicht direkt durch ein Music-Label gepusht werden. Aber auch Musiker, die seit längerem an ihrem „Durchbruch“ arbeiten und dankbar sind, wenn man sie breit hören kann, gehören zu meinen Gästen. Und nicht zu vergessen: Die Expertise und Mucke der „alten Hasen“ ist mindestens genauso wichtig für das Format „Schnick Schnack SchNEU“.

Welche Tipps haben Sie für Newcomer, die im Musik-Business Fuß fassen wollen?

Habtu: Ich bin ja selbst Newcomer, der gerade seinen musikalischen Traum verwirklichen darf. Dieses Gefühl teile ich mit den anderen Newcomern. Mein Rat: Die anderen sind Dir immer einen Schritt voraus. Orientiere Dich an ihnen und auf irgendwann wirst Du sie während des Musik-Marathons ein- und vielleicht überholen. Dabei darfst Du Dich aber nicht selbst überlaufen, sondern Dir treu bleiben.

Wann wird es wieder neue Musik von Ihnen selbst geben?

Habtu: Das würde ich gerne beantworten können. Fakt ist: Nach meiner ersten EP „Von A bis Z“ arbeite ich gerade an meinem ersten Album. Es wird geil, musikalisch breiter und diese Arbeit sprengt Ketten in meinem Kopf. Ich denke, in 2021 wird es was Neues von mir geben und hoffe, dass ich dann auch zum ersten Mal auf Tour gehen kann.

Wie verändert die Corona-Krise Ihrer Meinung nach die Musik-Industrie?

Habtu: Die klassischen Einnahmequellen fallen für viele Musiker durch Corona momentan weg. Das ist auch gleichzeitig eine große Kritik an die Politik dieser Nation. So toll die Regierung das alles hinkriegt, so sehr kann ich nicht verstehen, warum es keinen nachhaltigeren Plan für die Kultur und damit für das Kulturgut Musik gibt. Die Musikszene muss sich in dieser Hinsicht neu erfinden, um damit nicht nur für sich selbst, sondern auch für eine komplette Branche alternative Überlebens- und Einnahmequellen auftun. Also quasi musikalische Start-ups, die innovative Konzepte erstellen müssen.

Mit Ihren vielen Projekten hatten Sie zuletzt wenig Zeit für Ihr Privatleben. Hatte der Lockdown dahingehend für Sie auch Vorteile?

Habtu: Ich habe grundsätzlich leider wenig Zeit für mein Privatleben, war in der Vergangenheit bei so vielen Familienevents terminbedingt nicht anwesend. Das hat alle und natürlich auch mich traurig gemacht. Die Corona-Pandemie hat tatsächlich eher dazu beigetragen, dass ich einige Zeit nun neben den Fernseh-Moderationen nicht am Wochenende noch zusätzlich für große Brands in der Welt unterwegs war. Diese verrückte Zeit führte wie bei wahrscheinlich vielen da draußen dazu, dass man sich fragt, was einem wirklich wichtig ist. Es ist die unfreiwillige, große Pause-Taste. Ich bin gespannt, was da so alles kommen wird. Aber so abgedroschen das klingt, ich gebe keine überhöhte Wertung darauf, wie es in meinem Business läuft. Denn die Gesundheit und meine Liebsten sind das Wichtigste überhaupt.

Für was haben Sie sich während des Lockdowns mal wieder Zeit genommen?

Habtu: Fürs Kochen. Lustigerweise wäre ich vor dem Lockdown noch bei der Aufzeichnung von „Grill den Henssler“ gewesen. Dazu kam es aber leider nicht mehr. Hoffe, dass das noch mal klappt. Aber gekocht habe ich trotzdem: Risotto, Rinderfilet im Speckmantel, Kartoffelpuffer in Trüffelsauce, glasierte Möhren etc. Crazy Shit!

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf Sie persönlich?

Habtu: Die Corona-Zeit hat dazu geführt, dass ich unfreiwillig auf die Bremse getreten habe. Auch wenn ich nicht gerne über die finanzielle Absicherung nachdenken möchte, so ist ein Teil meiner Einnahmen durch Corona weggebrochen. Denn die Eventmoderation, aus der ich ja ursprünglich komme und welche ich nie wirklich verlassen habe, ist massiv zusammengeschrumpft.

Was vermissen Sie am meisten in der Corona-Krise?

Habtu: Tatsächlich den sozialen Kontakt zu vielen Menschen da draußen. Wer mich kennt, weiß, dass ich es liebe Menschen zu umarmen, ganz nah bei ihnen zu sein. Das vermisse ich sehr.

Go to Source
Author: