Der Kabarettist und Autor Thomas Pigor hat das «Life of Brian»-Oratorium ins Deutsche übersetzt. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Thomas Nitz/Staatstheater am Gärtnerplatz/dpa)

«Jeder nur ein Kreuz»: Generationen von Filmfans sind mit dem «Leben des Brian» aufgewachsen. Und die womöglich lustigste Version der Lebensgeschichte Jesu soll nun auch die Generation erreichen, für die der Monty-Python-Klassiker bislang nur Filmgeschichte ist.

Das Münchner Gärtnerplatztheater bringt «Das Leben des Brian» an diesem Donnerstag (19.30 Uhr) in einer Musiktheater-Version auf die Bühne – als «komisches Oratorium», wie es auf der Homepage des Theaters heißt.

«Natürlich dürfen dabei weder die „Volksfront von Judäa“, ein sprachgestörter Pontius Pilatus noch geflügelte Worte wie „Jeder nur ein Kreuz!“ und „Folgt der Sandale!“ fehlen», schreibt das Gärtnerplatztheater.

«Das Leben des Brian» erzählt die Geschichte von eben jenem Brian, der vor rund 2021 Jahren in dem Stall neben dem von Maria und Josef zur Welt kommt, 33 Jahre später im Untergrund gegen die Römer kämpft und schließlich durch einen dummen Zufall für den Messias gehalten wird. Zum Kultsong «Always Look on the Bright Side of Life» wird er gekreuzigt.

Der Film erschien im Jahr 1979. Das Londoner Magazin «Time Out» führt ihn auf Platz 20 der besten britischen Filme aller Zeiten. Das British Film Institute (BFI) sieht ihn auf Platz 28. Viele Jahre später – im Jahr 2007 – kam das Musiktheater dazu im englischen Original heraus. Übersetzungen gibt es nach Angaben des Theaters sehr wenige – und auf Deutsch gab es das «komische Oratorium» überhaupt noch nicht – bis jetzt.

Der Kabarettist und Autor Thomas Pigor (65) hat das «Life of Brian»-Oratorium, dieses «sehr britische Stück», ins Deutsche übersetzt. Keine leichte Aufgabe. «Englische Lyrics einzudeutschen ist immer eine Herausforderung, weil das Englische mit kurzen Worten auskommt – ganz im Gegensatz zum Deutschen. Wir haben Monsterworte mit eingebautem Dreivierteltakt wie Kraftfahrzeugzulassungsstelle, die man dann richtig betonen muss», sagt er im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

«Einfache Gags übersetzen sich leicht: Slapstick-Einlagen oder Situationskomik. Schwieriger wird es, wenn es um Wortwitz oder um Kontext geht.» Da gebe es Anspielungen auf Fernsehserien, auf Monty-Python-Sketche, die für Engländer Klassiker sind, die ein deutsches Publikum aber kaum kennt. In solchen Fällen habe er dann «deutschen Kontext einbauen» müssen.

So wird aus dem englischen Bergmannschor eine Gruppe heimwehkranker
Mittelfranken, die «Mir wolln hamm» schmettern. Die Dudelsackpfeifer sind in der Pigor-Version eine bayerische Blaskapelle. Die besondere Komik ergibt sich nach seiner Ansicht aus der Diskrepanz zwischen Orchester und klassischen Sängern, die mit großem Gestus vortragen, auf der einen – und der Banalität dessen, was sie singen, auf der anderen Seite.

Angelehnt ist das Stück an Händels Messias-Oratorium. «Aber es ist auch Broadway mit drin und Popmusik, Country, Spiritual, sogar Mariachi-Trompeten», sagt Pigor. «Eine Satzbezeichnung lautet „Baroque and Roll“.»

Und nicht nur in der schlichten Übersetzung sah er eine Herausforderung: «Meine Aufgabe war es, die Songtexte so zu übertragen, dass sie ein heutiges, deutschsprachiges Publikum ansprechen» – und dabei sei auch das «Heutige» nicht ganz einfach gewesen. «Das „Leben des Brian“ ist ein zeitloser Stoff, auch wenn einige Nummern eindeutig den 70er Jahren zuzuordnen sind. So ist zum Beispiel der Streit zwischen den jüdischen Widerstandsgruppen «Volksfront von Judäa» und «Judäische Volksfront» eine Parodie auf die linken K-Gruppen der 70er Jahre. Ich bin mir auch nicht sicher, ob man sich über den Sprachfehler des Pontius Pilatus heute so unbefangen amüsieren würde, wie die Pythons das damals taten», sagt er. Ein Aspekt aber sei für ihn unantastbar gewesen: Der Hit «Always Look On The Bright Side Of Life». «Den Refrain singen wir lieber in Englisch.»

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