Freddie Mercury bei einem Auftritt im September 1984. Am 24.11. jährt sich der 30. Todestag des Sängers. (Urheber/Quelle/Verbreiter: dpa)

Freddie Mercury ist immer noch bei jedem Queen-Konzert präsent. Wenn die Band, die inzwischen als Queen + Adam Lambert mit ihrem neuen Frontmann auf Tournee geht, den unsterblichen Klassiker «Bohemian Rhapsody» anstimmt, dann wird Mercury auf der Leinwand vom Band eingespielt.

Ein echter Gänsehautmoment. Und der legendäre Sänger bekommt jedes Mal tosenden Applaus. 30 Jahre nach seinem frühen Tod ist Freddie Mercurys Popularität ungebrochen.

Der Mann mit der Vier-Oktaven-Stimme

«Wenn ich nicht mehr singen kann, Darling, dann werde ich sterben, dann falle ich tot um», soll der an Aids erkrankte Mercury gesagt haben – wenige Monate, bevor er am 24. November 1991 in London an den Folgen einer Lungenentzündung starb. Das erzählt Anita Dobson, Ehefrau von Queen-Gitarrist Brian May, in einer neuen BBC-Dokumentation. «Freddie Mercury: The Final Act» widmet sich den tragischen letzten Monaten des genialen Musikers und flamboyanten Entertainers mit der Vier-Oktaven-Stimme.

Von der großen Bühne zog sich Mercury bereits 1986 auf dem Höhepunkt zurück. Queens Mammutkonzert vor 120 000 Zuschauern im Knebworth Park ist sein letztes mit der Gruppe, die für Welthits wie «We Will Rock You», «Radio Ga Ga» oder «Another One Bites The Dust» steht. Dass es eines Tages ohne ihn weiter gehen könnte, ahnt er. «Das ist der Überlebensinstinkt der Band. Wenn ich mal plötzlich nicht mehr da sein sollte, werden sie mich ersetzen», sagt er Mitte der 80er in einem Interview und grinst. «Aber es wird nicht leicht, mich zu ersetzen.»

«The Show Must Go On»

Er nimmt noch zwei komplette Alben mit seinen Bandkollegen auf. «The Miracle» wird 1989 veröffentlicht, «Innuendo» erscheint im Februar 1991 und enthält die vielsagende Single «The Show Must Go On». Zu diesem Zeitpunkt weiß Mercury, dass ihm nur noch wenig Zeit bleibt. Seine schwindenden Kräfte nutzt der gesundheitlich schwer gezeichnete Musiker, um weitere Songs einzusingen, letztmals im Mai. Sie sind auf dem letzten Album «Made In Heaven» zu hören, das 1995 posthum erscheint.

Nach dem Freddie-Mercury-Tribute-Konzert im April 1992, bei dem die verbleibenden Queen-Musiker im Wembley-Stadion mit Stars wie George Michael, Lisa Stansfield, Elton John und David Bowie auf der Bühne stehen, veröffentlichen Gitarrist May und Drummer Roger Taylor Soloalben. Bassist John Deacon setzt sich zur Ruhe. «Wir hatten nicht gedacht, dass wir noch einmal zusammen Musik machen», sagt Taylor in der TV-Dokumentation «The Show Must Go On». Doch es kommt anders.

Das Musical «We Will Rock You», das 2002 in London Premiere feiert, bewegt May und Taylor zum Umdenken. Ein Jahr später tritt das Duo bei einem Konzert zu Ehren von Nelson Mandela in Kapstadt – mit Deacons Zustimmung – erstmals wieder unter dem Namen Queen auf. Fünf Jahre lang gehen sie anschließend mit Paul Rodgers, dem ehemaligen Sänger von Free («Alright Now») und Bad Company («Can’t Get Enough»), auf Tournee und veröffentlichen als Queen + Paul Rodgers sogar ein gutes Album: «The Cosmos Rocks».

2009 treten Queen beim Finale der achten Staffel der Castingshow «American Idol» mit den beiden Finalisten Kris Allen und Adam Lambert auf. Allen gewinnt die Show, aber der stimmgewaltige, extravagante Lambert beeindruckt Queen. Als sie 2011, im Jahr des 40. Queen-Jubiläums, bei den MTV Europe Music Awards auftreten sollen, rufen sie Lambert an. Der schmettert «The Show Must Go On», «We Will Rock You» und «We Are The Champions» und empfiehlt sich endgültig für ein dauerhaftes Engagement. Seit 2012 sind Queen + Adam Lambert regelmäßig auf Tournee und spielen weltweit Konzerte.

Wie sein überlebensgroßer Vorgänger ist auch Adam Lambert ein Showman durch und durch. Ein Mercury-Nachahmer ist er nicht. Das hätten May und Taylor auch nicht gewollt. «Sie haben sofort klargemacht, dass ich mein eigenes Ding machen sollte», betonte Lambert vergangenes Jahr im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Die große Herausforderung war, es mir zu eigen zu machen, ohne mich zu weit vom Original zu entfernen, denn das würde sich auch nicht richtig anfühlen.» So überzeugte der Sänger selbst skeptische Queen-Fans.

Eine neue Generation von Freddie-Fans

Im Film «Bohemian Rhapsody» spielt Lambert eine augenzwinkernde Minirolle als schwuler Trucker, der mit Mercury flirtet. Der biografische Kinofilm, für den Hauptdarsteller Rami Malek mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, gewann eine neue Generation von Fans für die Musik von Mercury und Queen – und ließ Verkaufs- und Streamingzahlen in die Höhe schnellen. May verriet kürzlich, dass es Überlegungen für eine Fortsetzung gibt.

30 Jahre nach dem Tod von Freddie Mercury, der im September 75 geworden wäre, lebt sein Mythos weiter. Queen füllen immer noch die großen Hallen und treten gelegentlich sogar in Stadien auf. Für 2022 sind allein zehn Konzerte in der Londoner o2-Arena geplant, bei denen Freddie Mercury sicher wieder auf der Leinwand erscheint. In Deutschland werden Queen + Adam Lambert in Berlin, Köln und München auftreten. Ganz nach dem alten Bandmotto: «The Show Must Go On».

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