Die Berlinale wird in diesem Jahr auf zwei Termine aufgeteilt. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Michael Kappeler/dpa)

Eins gleich vorweg: Für das Filmgucken daheim kann man sich zumindest ein bisschen Popcorn machen. In der Mikrowelle zum Beispiel, falls man eine hat. Auf der Berlinale gibt es diesen Snack grundsätzlich nicht, stattdessen aber viel Trubel.

Die Festspiele in Berlin gehören zu den großen Filmfestivals der Welt – und normalerweise würden die Vorbereitungen dazu jetzt auf Hochtouren laufen.

Flugtickets wären gebucht, Hotelzimmer gemietet, Programmhefte gedruckt. Die Berlinale sollte in diesem Jahr am 11. Februar beginnen – wegen der Pandemie allerdings musste umgeplant werden. Rutschte das Festival im vergangenen Jahr noch gerade so an Einschränkungen vorbei, wird die Berlinale nun auf zwei Termine aufgeteilt.

Den Anfang macht ein digitaler Branchentreff im März. Aber was genau ist das eigentlich? Der European Film Market (EFM) findet sonst immer während der Berlinale statt – Fachleute treffen sich dort, um zum Beispiel neue Produktionen zu besprechen und einzukaufen. Nicht so glamourös wie Filmpremieren mit rotem Teppich und Autogrammjägern, aber wichtig für die Filmbranche.

Dieser Industrietreff findet nun online statt. Und auch Journalistinnen und Journalisten sollen die Möglichkeit bekommen, neue Filme über ein Internetportal zu sehen. Allerdings entscheiden die jeweiligen Rechteinhaber, ob ein Film den Medien gezeigt werden soll oder nicht. Über manche neuen Filme wird man also Berichte lesen können – über andere vielleicht nicht. Und vieles vom üblichen Trubel fällt weg.

Denn die Berlinale, das ist auch immer das Drumherum. Der gefühlt ewig lange Berliner Winter ist dann oft auf seinem Tiefpunkt, unter den Füßen knirscht der Rollsplit, nur selten ist Sonne zu sehen. Die beste Zeit, um über Tage ins Kino abzutauchen. Der sonst etwas sterile Potsdamer Platz hat dann plötzlich Flair. Der rote Teppich wird so viel benutzt, dass er zur Halbzeit ausgewechselt wird.

Auch in mancher Privatwohnung wird die Gästematratze hervorgeholt. Einige Berliner bekommen nämlich Festivalbesuch: Hardcore-Kinofans, die Dutzende Tickets kaufen und nur selten daheim auftauchen, weil sie von früh bis spät Filme gucken. Um die 20 Mal schaffen es Marathongucker. Binge-Watching, also das Endlosgucken, das gab es auf der Berlinale schon lange vor den Netflix-Serien.

Diesmal soll das Publikum die Berlinale-Filme erst im Sommer sehen. Für Juni ist der zweite Festivalteil geplant, ein öffentliches Filmfest. Das genaue Datum ist bisher nicht bekannt. Die beiden Festivalleiter Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek haben Filmvorführungen in Kinos und auch Open-Air-Veranstaltungen angekündigt.

Vor einem Jahr war die Berlinale eine der letzten Großveranstaltungen, die gerade noch so über die Bühne gegangen war. Kurz darauf wurde das öffentliche Leben in Deutschland und vielen anderen Teilen der Welt heruntergefahren, um die Ausbreitung des Erregers Sars-CoV-2 zu verlangsamen. Wie wird die Welt diesen Sommer aussehen? Wie gut wird man wieder reisen können?

Dass Schauspiel- und Regiestars kommen, gehört eigentlich zur Berlinale dazu. Der Mann, der vor dem Hotel Hyatt in der Limousine aus der Tiefgarage kommt, sieht in Festivalzeiten dann nicht nur aus wie George Clooney. Deutsche Promis wie Iris Berben oder Armin Rohde kann man sogar mehrfach sehen. Für Schauspieler ist es Business: Partys und Empfänge, wichtige Fernseh- und Filmleute treffen. Diesmal wird die Berlinale anders aussehen.

Mittlerweile steht etwa fest, welche Serien vorgestellt werden. Das ganze Programm soll in der zweiten Februarhälfte vorgestellt werden, wie eine Festivalsprecherin sagt. Das Nachwuchsprogramm Berlinale Talents zieht im März ebenfalls ins Internet. Wer in diesem Jahr in der Jury sitzt, um über die Auszeichnungen zu entscheiden, ist bisher nicht bekannt. Und auch der Filmmarkt wird anders aussehen.

Geschäfte könnten diesmal vorsichtiger geschlossen werden. «Das Kaufverhalten ist zögerlicher als vor der Pandemie, weil im Moment die Perspektive fehlt», sagte EFM-Chef Dennis Ruh dem «Tagesspiegel». Die Attraktivität der Filmmärkte sei abhängig von der Kinosituation. Und noch sind die Kinos in Deutschland geschlossen. Den Filmfans bleibt bisher nur, sich daheim ein bisschen Popcorn zu machen. Und Filme auf dem Sofa zu gucken.

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