Mittels digitaler Methoden könnten große Mengen an Daten analysiert und nach Mustern untersucht werden, sagt Anna Frasca-Rath vom Institut für Kunstgeschichte der Uni Erlangen. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Marijan Murat/dpa)

Digitale Technik könnte nach Ansicht einer Kunsthistorikerin das Bild von Frauen in der Kunstgeschichte verändern. Viel mehr Frauen seien in der Vergangenheit als Künstlerinnen tätig gewesen als bekannt, sagte Anna Frasca-Rath vom Institut für Kunstgeschichte der Universität Erlangen. «Wir haben diesen blinden Fleck in der Forschung, weil viele Kunstwerke aus der Vergangenheit nicht zugeschrieben sind – und es wird immer davon ausgegangen, dass Männer die Urheber waren.»

Die Urheberschaft von Kunstwerken zu klären, sei oft mühsam, sagte Frasca-Rath. Dafür müssten alte Ausstellungskataloge, Inventarlisten und andere Quellen verglichen werden – meist ohne das eigentliche Werk dazu vorliegen zu haben. «Die digitalen Methoden stellen unser Fach in der Hinsicht auf den Kopf», erläuterte die Forscherin. Dadurch könnten große Mengen an Daten analysiert und nach Mustern untersucht werden.

Rückenwind für Künstlerinnen

Die Kunsthistorikerin erwartet dadurch neue Erkenntnisse zur Rolle von Künstlerinnen in der Vergangenheit. «Es bleibt nicht bei einzelnen großen Namen, sondern geht in die Breite.» Das könnte aus ihrer Sicht auch den Künstlerinnen heutzutage Rückenwind geben, wenn die Kunstgeschichte weniger männlich dominiert wahrgenommen werde. Dennoch werde es dabei bleiben, dass Künstlerinnen in der Vergangenheit in der Minderheit waren – unter anderem, weil diese lange Zeit keinen Zugang zu einer akademischen Kunstausbildung hatten.

In den Museen befinden sich deshalb viel mehr Werke von Künstlern als von Künstlerinnen, sagte Gabriele Schulz vom Deutschen Kulturrat. «Umso wichtiger ist es jetzt, dagegenzusteuern und Werke von Frauen zu zeigen, zu erforschen und zu kaufen, damit die Bestände sich ändern.» Das Bewusstsein für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Kunst-Bereich sei gestiegen. Frauen seien auf dem Kunstmarkt aber nach wie vor weniger sichtbar, weil die Nachfrage nach Kunst von Männern größer sei.

Künstlerinnen erzielen geringere Preise

«Gerade jetzt nach den Corona-Jahren, die für viele Unternehmen eine Durststrecke waren, setzen viele auf Bewährtes – das sind oftmals die Werke von Männern», erläuterte Schulz. «Darüber hinaus sind Netzwerke, das Besuchen von Ausstellungen und Vernissagen gerade im Kunstmarkt ein wesentlicher Faktor, um im Markt präsent zu sein.» Für Frauen, die eine Familienpause einlegten, sei es aber schwer, wieder den Anschluss zu finden.

Dieser «Gender Show Gap» führe zu einem «Gender Pay Gap», sagte Frasca-Rath. «Weil Werke von Frauen weniger gezeigt werden als die von Männern, erzielen diese geringere Preise.» Das lässt sich laut dem Deutschen Kulturrat auch beziffern, wenn man die selbstständigen, in der Künstlersozialkasse versicherten Künstlerinnen und Künstler betrachtet. Demnach verdienten Frauen in der Berufsgruppe Bildende Kunst durchschnittlich 28 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, sagte Schulz.

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