Das frühere Haus des Künstlers Joseph Beuys in Düsseldorf (Mitte, weiß) steht zum Verkauf. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Marcel Kusch/dpa)

Der Rosenstock und ein selbstgebauter Marmortisch im Innenhof sind noch da: Das einstige Wohn- und Arbeitsatelier von Joseph Beuys (1921-1986) in Düsseldorf steht zum Verkauf.

Die geschichtsträchtige Wirkstätte des weltberühmten Fett- und Filzkünstlers am Drakeplatz in Oberkassel wird von einer Immobilienfirma vermarktet. «Dank Altbau-Charme, hohen Decken und einzigartigem Schnitt» böten die Räume eine «außergewöhnliche Atmosphäre inmitten kunstgeschichtlicher Bedeutsamkeit», heißt es auf der Website.

In den 250-Quadratmeter-Räumen mit hohen Decken und großen Fensterfronten zum Innenhof hatte Beuys von 1961 bis zu seinem Tod 1986 gelebt und gearbeitet. Über den Preis des Ateliers wurden keine Angaben gemacht. Oberkassel ist einer der teuersten Stadtteile Düsseldorfs.

Das Atelier sei «in seiner Ursprungsform noch relativ authentisch», sagte eine Geschäftsführerin der Immobilienfirma am Mittwoch auf dpa-Anfrage. In den Räumen sei «kein Luxus verbaut» worden. Das zeuge auch von der Wertschätzung für Beuys‘ einstige Arbeitsstätte. Der bisherige Eigentümer hatte das Atelier demnach 1999 von der Familie Beuys gekauft. Die Familie sei über den geplanten Verkauf informiert.

Das Land Nordrhein-Westfalen feiert in diesem Jahr mit zahlreichen Ausstellungen den 100. Geburtstag des Ausnahmekünstlers. Interesse am Kauf der historischen Künstlerwirkstätte haben aber weder das Land noch die Stadt Düsseldorf.

Das Düsseldorfer Kulturdezernat erklärte, das Atelierhaus weise «leider kaum noch Spuren von Joseph Beuys auf, die Einblick in seine Lebens- oder Arbeitsweise oder seine künstlerischen Ziele gestatten würden». Damit unterscheide es sich deutlich etwa vom ehemaligen Feueratelier des ZERO-Künstlers Otto Piene, wo zahlreiche Arbeitsmaterialien und Möbeln erhalten seien. Beim Beuys-Atelier bestehe bei der Stadt daher «kein Interesse, das Objekt zu erwerben.»

Auch das Land NRW winkte ab. Das Kulturministerium habe bereits zu einem früheren Zeitpunkt Überlegungen angestellt, jedoch vom Kauf abgesehen. Das Gebäude habe «aufgrund von Umbau und Umnutzung nur noch eingeschränkt historische Bedeutung». Das einflussreiche Werk von Joseph Beuys werde zudem bereits an zahlreichen anderen Orten in NRW gewürdigt. Diese rückten im Beuys-Jubiläumsjahr in den Fokus.

Im Innenhof des einstigen Beuys-Ateliers steht nach Angaben der Maklerfirma noch ein von ihm erschaffener Gartentisch aus Marmor und Betonplatten. Auch ein von Beuys gepflanzter Rosenstock sei noch vorhanden. Die Räume waren zu Beuys Lebzeiten Treffpunkt für Prominente, Politiker und Künstler, darunter auch Andy Warhol.

Erbaut wurde das Haus 1904 von dem Kirchenbildhauer Albert Pehle. Beuys bezog es 1961 zunächst als Mieter und kaufte es später. Zuvor hatte der Künstler Gotthard Graubner dort gearbeitet. Wie die Familie Beuys am Drakeplatz 4 lebte, geht aus einem 2016 veröffentlichten Bildband mit Fotos aus dem privaten Künstlerhaushalt hervor.

1961 bezogen Eva und Joseph Beuys das Atelier – «Beuys mit seinem Lederkoffer, ich mit einem kleinen Korb meiner Großmutter», schrieb Eva Beuys in ihren Anmerkungen über den kargen Haushalt. Fußleisten habe es nicht gegeben, und natürlich war in einer Ecke eine Fettecke angebracht, das Markenzeichen von Beuys. Als die Kinder Wenzel und Jessyka geboren wurden, seien weitere Wohnräume, Kinderzimmer und Bad hinzugekommen sowie ein Raum, den nur Beuys betrat und in dem er arbeitete.

Viele Objekte aus dem Hausstand im «großen Zimmer» habe Beuys zu Kunst gemacht, schrieb Eva Beuys. Später tauchten sie in Ausstellungen und Sammlungen der großen Museen der Welt wieder auf – sogar der Stamm eines Weihnachtsbaums. Schon am Drakeplatz wurden aber auch Fettplastiken, Filz und andere Objekte sorgfältig arrangiert. Der Verleger Lothar Schirmer erinnerte sich: Beuys habe auch in der Wohnung immer den Hut getragen.

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