Marc-Uwe Kling, inzwischen Anfang 40, veröffentlichte zuletzt mehrere Kinderbücher. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Annette Riedl/dpa)

Es ist ein bisschen moppelig, ein bisschen zottelig, nicht viel größer als ein Meerschweinchen, hat eine Hose mit Hosenträgern an und eine Brille auf seiner Knubbelnase. Seine Farbe könnte man auf den ersten Blick mit blau beschreiben. Doch dann wird man schnell eines Besseren belehrt: «Ich bin türkis», sagt das fremde Wesen, das sich als «Klugscheißerchen» vorstellt.

Es ist gewissermaßen der Protagonist in Marc-Uwe Klings neuem Kinderbuch, liebevoll illustriert von Astrid Henn. Das Duo arbeitete schon für mehrere Projekte zusammen. So dürften Leserinnen und Leser Henns Stil beispielsweise vom «NEINhorn» wiedererkennen.

Im neuen Buch «Das Klugscheißerchen» dreht sich die Geschichte um Familie Theufel. Vor allem um die Kinder Tina und Theo. Sie sind zehn und acht Jahre alt, beziehungsweise genau genommen zehn Jahre, sieben Monate und vier Tage sowie acht Jahre, fünf Monate und einundzwanzig Tage. Und beide haben keinen Bock auf Rote Bete, die ihnen die Eltern auftischen.

Hausaufgaben gemacht? – «Ja, klar. Gestern zum Beispiel»

Damit ist klar, dass sie es in der Familie Theufel (mit TH!) sehr genau nehmen. Auf die Frage der Mutter, ob die Zwei ihre Hausaufgaben gemacht hätten, antworten sie dann auch mit einem «Ja, klar». «Gestern zum Beispiel», sagt Theo. «Oder letzte Woche», sagt Tina.

Als die beiden kurz nach einem Umzug auf dem Dachboden des neuen Zuhauses Piraten spielen, entdecken sie in Bücherkisten das Klugscheißerchen – und erschrecken erstmal sehr. Es berichtet von seiner Lebensaufgabe: «Ein wirklich echter Klugscheißer zu sein, ist harte Arbeit! Man muss Bescheid wissen, man muss auf Zack sein, man muss sich unerbittlich der Korrektheit verpflichten.»

Und es verrät den Kindern, dass nur echte Klugscheißer das Klugscheißerchen sehen können. Eltern sind dabei eher ausgenommen: «Erwachsene sind selten wirklich echte Klugscheißer. Die denken, es reicht aus, hier und da mal einen Dativ zum Genitiv zu korrigieren oder ein Wie zum Als zu machen.» Beim Vorlesen dürfte sich hier wohl der eine oder die andere ertappt fühlen und schmunzeln.

Karrierestart auf Lesebühnen und bei Poetry Slams

Daraus entwickelt sich jedenfalls eine Art Wette mit den Eltern: Wenn Papa das Klugscheißerchen auch sehen kann, bekommen die Kinder einen Hund als Haustier. Falls er es nicht sieht, müssen Tina und Theo einen Monat lang die Küche und das Bad saubermachen. Und der Vater scheint seine Kinder austricksen zu wollen.

Der Wahl-Berliner Marc-Uwe Kling startete seine Karriere auf Lesebühnen und bei Poetry Slams. Mit dem Podcast «Neues vom Känguru» beim Radiosender Fritz sowie vor allem jenen Geschichten um das sprechende Beuteltier in gedruckter Form und als Hörbuch («Die Känguru-Chroniken») wurde er einem breiteren Publikum bekannt.

Inzwischen Anfang 40 veröffentlichte er zuletzt mehrere Kinderbücher. Der Carlsen Verlag beschreibt Kling als Buchstabendurcheinanderbringer – und erklärt: «Ein Buchstabendurcheinanderbringer beschäftigt sich sehr viel mit Buchstaben, Wörtern und der perfekten Reihenfolge derselben.» Dazu passend ist Henn natürlich eine «Farbendurcheinanderbringerin». Ihre Bilder sind perfekt auf seine Texte abgestimmt und machen das Lesen und Vorlesen zur Freude.

«Nehmen» meint nicht immer «greifen»

Der Verlag bewirbt das neue Werk als «Vorlesebuch für alle Besserwisser und Klugscheißer ganz egal welchen Alters». Und die können mal über so schöne Sätze stolpern wie «Die Treppe in den ersten Stock zum Beispiel knarzte bei jedem Schritt, als wollte sie eine Gruselgeschichte erzählen». Manchmal macht der Autor sie eher nebenbei auf Sprach-Kuriositäten aufmerksam – etwa, dass «nehmen» nicht immer «greifen» meint, wenn es zum Beispiel um Busse geht.

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