Der Sänger Gunther Emmerlich starb überraschend im Alter von 79 Jahren an Herzversagen. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Jan Woitas/dpa)

Er gehörte zu den TV-Publikumslieblingen, war als Sänger und Entertainer nicht nur im Osten gefragt und noch im Rentenalter voller Ideen. Nun ist Gunther Emmerlich tot. Der gebürtige Thüringer starb, auch für Freunde und Kollegen plötzlich und unerwartet, am Dienstag im Alter von 79 Jahren in Dresden. An Herzversagen, wie sein Manager Gunter Grebler der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch mitteilte. Zuerst hatte der MDR berichtet. Noch am Sonntag trat Emmerlich für eine TV-Aufzeichnung auf, es gab berufliche und private Verabredungen für die nächste Zeit, wie Freunde berichteten.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Emmerlich als einen «der großen Opernsänger und Entertainer unseres Landes». «Sein sonorer Bass, sein Witz und sein Charme werden uns fehlen», hieß es in einem Kondolenzschreiben Steinmeiers, der Emmerlich auch als engagierten Zeitgenossen und leidenschaftlichen Demokraten bezeichnete. «Gunther Emmerlich hat immer wieder Rückgrat gezeigt für unsere liberale Demokratie, er war eine hörbare, eine wichtige Stimme im Kampf gegen Menschenfeindlichkeit, Hass und Gewalt.»

Mit Emmerlich verliere Deutschland «einen großen Künstler mit einem großen Herz», teilte Kulturstaatsministerin Claudia Roth mit. Der «stimmgewaltige Opernsänger und sympathische Entertainer» habe als Legende des DDR-Fernsehens auch im wiedervereinten Deutschland ein Millionenpublikum erreicht. Seine unverwechselbare Stimme, seine herausragende Präsenz und sein feiner Sinn für Humor würden in Erinnerung bleiben.

Viele Benefiz-Auftritte haben Mut gemacht

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Kulturministerin Barbara Klepsch (beide CDU) reagierten mit Betroffenheit und würdigten auch Emmerlichs gesellschaftliches Engagement. «Eine ganz traurige Nachricht kurz vor Weihnachten», sagte Kretschmer. Mit ihm «verlieren wir einen großen Unterhaltungskünstler und begnadeten Opernsänger. Er verkörperte die sächsische Lebensfreude und brachte sie den Menschen in ganz Deutschland näher.» Bei vielen Benefiz-Auftritten habe er zudem anderen Mut gemacht und Hoffnung gegeben.

Singen, Inszenieren, Moderieren, ein Ausflug in die Schauspielerei und zuletzt Hörbücher, Emmerlichs Trumpf war die Vielfalt. Drei Bücher hat er über sein Leben geschrieben. Der 1944 in Eisenberg (Thüringen) geborene Bass wollte als Junge Pilot werden oder zur See fahren, studierte dann aber nach einer Ausbildung als Bauingenieur Operngesang an der Musikhochschule Franz Liszt Weimar.

Er eroberte ab 1987 das Fernsehen der DDR

1972 engagierte ihn das Nachwuchsstudio der Dresdner Oper – kurz darauf wurde er ins Ensemble übernommen. Daneben gründete der Banjo-Spieler und Jazzsänger 1985 mit gleichgesinnten Musikern der Staatskapelle die Semper HouseBand. Ab 1987 eroberte der Kammersänger dann den TV-Bildschirm in der DDR und bot mit «Showkolade» – einem Mix aus Glitzer, Zeitkritik und Kabarett – sogar Thomas Gottschalks «Wetten, dass…? » im Westen Paroli.

1992 löste er seinen Vertrag mit der Semperoper, um frei zu arbeiten. Mit Sendungen wie «Nimm Dir Zeit», «Gunther und drüber» und «Zauberhafte Heimat» avancierte er dann zu einem Liebling deutscher Fernsehzuschauer in Ost und West. 2008 debütierte er mit der Opernsängerin Deborah Sasson erfolgreich in der New Yorker Carnegie Hall. Sein Musik-Repertoire reichte von Kirchenmusik über Lieder-Zyklen, Arien und Duette bis zu Dixieland und Swing. 2015 debütierte er in einer Operette bei den Bad Hersfelder Festspielen.

Seitdem gastierte er regelmäßig mit eigenem Programm auf kleinen Bühnen, trat im Fernsehen auf und moderierte. Emmerlichs Kollege Wolfgang Stumph («Go Trabi Go») zeigte sich bestürzt über dessen Tod. «Es bricht mir das Herz, es ist unfassbar», sagte der Schauspieler und Kabarettist. Die beiden Wahldresdner arbeiteten oft zusammen, standen gemeinsam auf der Bühne oder vor der Kamera und waren auch privat eng befreundet. «Es ist nicht nur für mich ein Verlust, sondern für uns alle», sagte der 77-Jährige traurig. Erst kürzlich «haben wir noch telefoniert und über gemeinsame Vorhaben gesprochen».

«Wenn Engel lachen» ist seine letzte Sendung

Auch der MDR, wo Emmerlich über Jahrzehnte als Moderator eine feste Größe im Unterhaltungsprogramm war, trauert um ihn. Er «war ein außergewöhnlicher Mensch, Sänger und Moderator aus unserer Region, geschätzt und beliebt weit über Mitteldeutschland hinaus», wie Intendant Ralf Ludwig erklärte. «Wir verlieren mit ihm eine einzigartige Persönlichkeit und einen charismatischen Botschafter seiner Heimat.»

Am Mittwochabend wird wie geplant die Weihnachtssendung «Wenn Engel lachen» ausgestrahlt, die erst kürzlich mit dem vielfachen Großvater aufgezeichnet wurde. Es war die letzte für den künstlerisch vielseitigen 1,93 Meter-Mann, dem der Beruf Berufung und das Singen Lebenselixier war. Nach schönen Adventskonzerten sei er «gestern zu Hause für immer eingeschlafen», berichtete Manager Grebler. Am Abend könne das Publikum Abschied nehmen von dem Künstler, der auch mit Bypass und Rente die Bühne liebte.

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